The group of thoughtless

Porzellan Vasen, Siebdruck  2021/2022

„The Group of Thoughtless“ ist eine Vasenkollektion, von denen jede aus einem Schokoladen-Weihnachtsmann hergestellt wurde, der dann in eine Porzellanfigur transformiert wurde, der ich am Ende vor dem Brennen den Kopf abgebissen habe.

Bei der Schoko-Figur lockt uns der erste Biss, womit wir unsere Neugier befriedigen können, weil wir drinnen eine Überraschung z. B. im Sinne einer Füllung erwarten. Dadurch, dass ich jeder Figur den Kopf abbissen habe, habe ich sie zwar beschädigt, aber gleichzeitig wurde Zugang zu der Höhle innerhalb der Figur erhalten, die in Form einer Vase eine bestimmte Funktion erfüllen kann.

Hat also dieser zerstörerische Akt etwas Neues – und vielleicht sogar Nützlicheres – entstehen lassen?

 

Lost in the structure

Zeichnung 200 x 100 x 10cm  2021

Falls Papier geknittert ist, gewinnt oder verliert die Zeichnung ihren Wert? Kritzeln, Kritzeleien oder auch Zerknüllen des Papiers sind emotional geprägte Tätigkeiten, die uns helfen können, mit unseren turbulenten Gefühlen irgendwie umzugehen.

In der Regel widerspiegelt das Kinderkritzeln Freude und Kreativität, bei Erwachsenen geht es im Gegensatz um eine Erscheinung, die genauso gut wie das Kopfabbeißen als eine Art der Obsession bezeichnet werden kann. Kritzeln und knittern des Papiers zerstören dann zu einem gewissen Ausmaß einige der festgelegten Mechanismen unseres Denkens.

Und dieser Auftritt gegen die etablierte Norm, weder zu kritzeln noch zu knittern, dient genau dazu, unsere turbulenten Emotionen zu schwächen. Ein Haufen zerknüllter Papierknäuel, die für uns keinen Wert mehr haben, kann uns an die Unzufriedenheit mit der Qualität unserer Arbeit erinnern. Ein Kokon von Taschentüchern oder ein Beleg in der Hosentasche erinnert uns weiter an die Angst oder Langeweile, die wir durch beruhigenden Wickel versucht haben, zu unterdrücken.

Bei den „Lost In the Structure“-Zeichnungen, die wie eine zerknitterte Kritzelei aussehen mögen, führte dieses zerstörerische Zerknüllen dazu, dass sich das Papier unter der Zeichnung gewölbt hat, was ihr eine weitere physische Dimension verliehen hat. 

Be in touch

Papier Collage 180 x 100 x 15cm 2020/2021

Die Transformation durch das Knittern, Zerknüllen und Wickeln ist weiter in Be In Touch verwendet. Hier habe ich die Transformationsmöglichkeiten des Seidenpapiers benutz, um Klumpen unterschiedlicher Strukturen zu schaffen. Diese sollen die Kunstinteressierten nicht nur visuell, sondern auch haptisch überfordern, damit sie in ihre eigene Komplexität verschlungen werden.

 

Sediments Kollektion

2017- derzeit

Sie kennen bestimmt dieses Szenario: Sie packen ein Paket ein und es passiert, dass Sie das Klebeband auf der Klebseite berühren.  Ihr Fingerabdruck bleibt dort für immer als DNA-Stempel. Es bleibt dort, bis das Band nicht ganz zerstört wird.

Falls ich mit baren Händen ein Klebeband berühre, lasse ich auf der Oberfläche einen Abdruck von mikroskopischen Hautzellen. Die gleiche Situation wiederholt sich, wenn ich ungehobeltes Holz anfasse, bekomme ich bestimmt einen Splitter. Möglicherweise wird mein Körper infiziert, falls ich in einer infizierten Umgebung atmen werde. Auch beim Ausatmen werden die Pathogene zurück in den Raum ausgebreitet. Infolgedessen sind unsere Körper nicht mehr von ihrer Umwelt separiert, sondern die Körper sind Teil der Umwelt und die Umwelt ist Teil von ihnen. Gleiches gilt auch für die Objekte selbst. 

Wie Ruba Kathrib in ihrem Essay„Materials, Talking and Walking: Pakui Hardware“ feststellt, dieser gemeinsame Abdruck und nachherige Transformation mikroskopischer Schichten des Materials bedeuten, dass die Materialien ihre Partikeln miteinander teilen und so sich in etwas Neues transformieren. Nach der Berührung wird ein Objekt oder Mensch von der stofflichen Seite nie mehr gleich wie vorher sein. Diese inspirative These gilt als Ausgangspunkt meiner Aufzeichnungen von Berührung durch ein Kleberband und eine Graphitschicht, als Zeichnung benannt. Bei meinem Langzeitprojekt namens Sedimente habe ich versucht, zweidimensionalen Zeichnungen nach dem Vorbild des Möbiusbands die dritte Dimension zu verleihen.

Das Möbiusband ist ein mathematisches Phänomen, bei dem eine zweidimensionale Fläche durch Biegung dreidimensional wird, während sie nur aus einer Seite und einem Rand besteht.

Das Ziel der Sedimente war es daher, die These von Ruba Kathrib mit einem mathematischen Konzept so zu verbinden, dass die Fläche die dritte Dimension betritt. Aus diesem Grund wird das Band mit dem Zeichnungsabdruck über die Rahmen oder Konstruktionen angespannt, die eine Ebene formieren. Je nach denen erhaltet dann die Zeichnung die feste Form.

Hausfraukunst

Zeichnungen auf dem Thermopapier 2019/2020

Falls ich mit baren Händen eine heiße Pfanne anfasse, höchstwahrscheinlich verbrenne ich mich und die Wunde wird mich an diesen unangenehmen Unfall sehr lange erinnern, bis sie verschwindet. Die Werke Hausfraukunst werden mit dem heißen Kochgeschirr im Sinne des Pinsels hergestellt. Durch Berühren und Streichen z.B. der heißen Pfanne über thermosensitives Papier habe ich ein unstabiles Bild gemalt. Die Besonderheit des Thermopapiers liegt darin, dass die Aufzeichnung nicht dauerhaft ist, infolgedessen werden die Zeichnungen allmählich verblassen, bis auf dem Papier keine Erinnerung an die Zeichnung mehr bleibt.

Diese Thermozeichnungen spiegeln für mich die Metapher der Sisyphusarbeit im Haushalt wider. Sie kennen bestimmt dieses unendliche Hausarbeitsszenario: sobald Sie fertig sind, können Sie sofort erneut anfangen. „As soon as you finish, it begins again“ beschrieb Ori Levin die Hausarbeit, die sie mit Videoaufnahmen im Ausstellungsraum verglich. Die Verbindung zwischen denen sieht sie in der Endlosschleife.

Bei diesen Kunstwerken muss man akzeptieren, dass es im Vergleich zur Reinigung unmöglich ist, die Zeichnung auf irgendeine Weise zu erhalten oder ihren ursprünglichen Zustand zu bewahren.

Space between

Farbe, Leinwand, Keilrahnen 2017/2018

Wie kann man das Ende eines dunklen Korridors erreichen, ohne zu wissen, wohin er führt? Angst, die man überwinden muss, bevor man die Tür ins Unbekannte aufmacht. In die Welt der Fantasie, in eine andere Dimension, eine nächste Realität, oder kehrt man in den Ausgangspunkt zurück? Und ist es wirklich möglich, zurückzukehren, wenn man mit jeder neuen Lebenserfahrung nicht mehr der ist, der man einmal war?

Die Kollektion „Space between“ basiert auf einer Kriechröhre, einem typischen Spielplatzgerät. Schwarzer Stoff, der an zwei Ringen an beiden Enden befestigt ist und einen Tunnel ins Unbekannte bildet.

Der Tunnel konnte gerade oder gekrümmt sein, und wenn er sich verknotete, auch unpassierbar. Seit meiner Kindheit hat mich fasziniert, die Welt hinter einer imaginären Wand oder einem Hindernis zu entdecken. Diese Faszination diente als Einbildungskraft für diese Kollektion. Aus diesem Grund wurde die Kombination von Keilrahmen und Leinwänden benutzt, ungewöhnlich für Malerei. Im übertragenen Sinne kommt hier die Symbolik der Malerei als „Fenster in eine andere Realität“ zum Ausdruck, mit dem Unterschied, dass das Fenster eine weitere physische Dimension hat.

Wie kann man neue Möglichkeiten entdecken, wenn man sich nicht traut, durch den dunklen Tunnel zu gehen?